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Streets of Philadelphia

Philadelphia. Look & See – Tag 2: 14 Uhr. Nach einer Ruhepause zurück im Hotel sind wir nun mit der „Relocation Services Consultant“ verabredet. Wie immer mit Kleinkind bin ich etwas zu spät dran. Ich plante eigentlich, mich in Ruhe während des kindlichen Mittagsschlafes zu duschen und fertig zu machen. Planen… haha… der totale Mütteranfänger-Fehler. Aufgrund der Zeitverschiebung wollte der Krümel natürlich nicht zur geplanten Zeit schlafen, was für mich bedeutete dann letztendlich zu duschen und ihn dabei durch die offene Badezimmertür und über den Spiegel an der Wand im Flur beim Spielen zu „beaufsichtigen“. Dazu musste ich zwischendurch das Duschwasser übertönend durch die Duschglaswand Dinge rufen wie „Nein! Finger weg! Lass die Pflanze da stehen!!!“ oder „Lass die Tür auf, damit ich Dich sehen kann!“ oder „Lass Dich bei deinen Fallübungen nicht gegen die Wand fallen!“.


Dementsprechend gestresst, nach kurzer Zeit wieder durchgeschwitzt und um einiges zu spät treffe ich unsere „Beraterin“. Sie ist sehr nett und hat tausend Prospekte, Broschüren und andere Ausdrucke in einer Mappe dabei, die uns alle diese unbekannte Stadt näher bringen sollen. Heute ist zunächst erstmal geplant, einen ersten Einblick in mögliche Wohngegenden in Midtown und Umgebung zu bekommen. Schnell wird klar, dass sie sich hier wirklich gut auskennt, denn alle fünf Minuten trifft sie jemanden, den sie kennt. Mich begeistert die Vorstellung, dass es auch in dieser Großstadt möglich ist, andauernd jemandem über den Weg zu laufen, den man kennt. So ging es mir früher in Berlin und ich liebe das. Außerdem kennt sie jede Menge gute Restaurants, Cafés, Shops, hat zu allem und jedem einen Tipp. Und als gebürtige Niederländerin hat sie auch kein Problem damit, das Ganze mit uns zu erlaufen.


Wir bahnen uns unseren Weg zunächst durch Fitler Square und dann weiter durch Graduate Hospital nach Bella Vista. Die Sonne knallt, der Nachwuchs ist bestens gelaunt und ich komme in Abenteuerstimmung. Der Geruch von Veränderung und der Gedanke daran, diese Stadt zu erkunden, sie näher kennenzulernen, vielleicht irgendwann die Leichtigkeit der Kommunikation mit den Menschen hier täglich zu erleben, begeistern mich. Für mich wird schon jetzt klar: dieses Abenteuer will ich angehen.

Es gibt Momente, da sollte man auf seinen Bauch hören, oder besser gesagt mit seinem inneren Auge sehen. Bei großen Entscheidungen wie beispielsweise für eine Location für unsere Hochzeit, oder eine neue Wohnung, muss ich „uns dort sehen“. Sobald ich das ganze vor meinem geistigen Auge sehen kann, ist es genau das Richtige: wie ich im Hochzeitskleid über die Wiese zur Chuppa schreite, oder wie wir zusammen am Esstisch in der neuen Wohnung sitzen, mit Blick auf den Südring und die leuchtenden Autoscheinwerfer am Abend.
So fanden wir das wunderbare Gut Hohenholz zum Heiraten und die schöne Wohnung in Bilk. Und genau so sehe ich uns durch die Straßen von Philly laufen: zur Kita, zum Einkaufen, zu Terminen.
Für mich ist es „gebont“.


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