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Kitas – Ein Hauch Kulturschock

Philadelphia. Look & See – Tag 7. Wir haben erste Ausflüge gemacht und die Stimmung ist super. Samstag besuchten wir Oma und Opa in New York. Sonntag ging es zusammen mit unserer Cousine und deren drei Töchtern zum Strand in Long Branch, New Jersey. Ein wunderschönes Kleinod – nur 1,5 Autostunden von Philly entfernt – mit Palmen, einem hellen Sandstrand, zwar teuren, aber sehr guten Restaurants und Anfang September auch nur wenigen Besuchern. Typisch deutsch wurde es direkt auf die Liste „mögliche Ausflugsziele“ gesetzt.

Zurück in Philly, schauen wir uns ein paar Kitas an. Die Besichtigungstermine hatten wir vor Anreise relativ problemlos auch kurzfristig bekommen. Es ist uns wichtig, uns auch über diesen Aspekt zu informieren und zu schauen, ob das auch für den Krümel die richtige Entscheidung sein kann. Alle Kontaktpersonen waren – typisch amerikanisch – super nett in der Kommunikation. Jetzt sind wir gespannt auf die Besuche:

Kita 1. In einem Gemeindehauses gelegen. Wir werden herein gebeten und folgen gespannt der freundlichen Kollegin… in den KELLER! Bitte?! Die älteren Kids sind zwar in einem Obergeschoss, die kleinen aber – unter 3 – sind unten im Kellergeschoss. Kein Tageslicht, keine frische Luft, kleine, dunkle Zimmer, völlig überfüllt mit Spielzeug, Bastelmaterialien und sonstigem Kram. Kein (frisch) gekochtes Mittagessen, die ganze Kita ist „nussfreie Zone“, „Leinen“ für den Spaziergang zum Park. Ja, genau, Leinen. Das erste Mal hatte ich das in Kanada gesehen: die Kids werden mit dem Handgelenk an Schlaufen gebunden, die rechts und links an einer langen Leine angebracht sind. Wie an einer langen Leine für Hunde laufen sie dann in den Park. Für uns Deutsche sieht das „nicht so schön“ aus, da „drüben“ ist das ganz normal. Willkommen in Amerika. Und schnell werden die Unterschiede in Sachen Kinderbetreuung klar.

Dem Krümel ist das gerade ziemlich Schnuppe. Der ist gelangweilt davon, nur mit Papa und Mama abzuhängen, macht sich sofort über das Spielzeug her und will direkt bleiben. Das macht uns trotz der Unterschiede gleich wieder ein besseres Gefühl. Der Erzieher-Kind-Schlüssel ist der Gleiche wie in Deutschland und auch hier sind alle super nett. Aber ein Einblick alleine reicht ja nicht, weshalb wir gespannt sind, wie sich die weiteren Besuche gestalten und welche Erfahrungen wir da machen werden.


Kita 2. Wir sind fast gespannter als bei Nr. 1. Die Neugier, wie es hier wohl ist, ist riesig. Auch Kita 2 ist im Untergeschoss, dieses Mal in einem Bürogebäude und mit kleinen Oberlichtern versehen. Eingangsbereich und Vorraum, in dem auch gespielt wird, sind ziemlich groß. Auch hier ist es völlig überfüllt mit Zeugs. Und auch sonst allem: in einer Ecke wird vorgelesen, in der anderen wird Sport gemacht, in der dritten wird eine Gruppe an die Leine gebunden, um in den Park zu gehen.

Und im Hintergrund läuft Musik. Der Mann und ich haben nach drei Minuten Reizüberflutung, wir wissen nicht, wo wir zuerst hinschauen oder hinhören sollen. Die Kinder haben alle Augenringe und sehen aus wie Zombies. Der Krümel schläft… zum Glück. Und obwohl auch hier alle sehr nett sind, schreit alles in uns „wir müssen hier raus!“

Ich mag mir nicht ausmalen, wie die Kids drauf sein müssen, wenn sie nach sechs bis acht Stunden (oder auch mehr) da aus der Kita abgeholt werden. Wir verabschieden uns höflich, aber zügig. Und plötzlich wirkt Kita 1 im Keller gar nicht mehr so schlecht.

Unsere letzte Hoffnung: Kita Nr. 3. Ich erinnere mich an die völlig vergilbten Vorhänge, die ich beim Vorbeispazieren schon entdeckt hatte. Na immerhin ist sie im Erdgeschoss. Mit Tageslicht. Zumindest theoretisch, denn wie gesagt, die großen Fenster sind mit den Vorhängen verdunkelt. Während wir draussen warten, albern wir rum, dass – sollte der Krümel hier hingehen – wir erstmal neue Vorhänge spenden. Das Logo-Design aber ist sehr modern und ähnelt dem unserer deutschen Kita in Düsseldorf. Das gibt ein vertrauensvolles Gefühl. Der Zwerg hüpft derweil vergnügt unter den Schatten spendenden Bäumen umher. Dann kommt unsere Relocation Consultant und wir gehen rein. Die Leiterin und ich sind sofort auf einer Wellenlänge. Auch sonst sind wir sehr positiv überrascht. Die Räume sind nicht so überfüllt; der Krümel ist sofort glücklich und fängt an zu spielen. Und – das Beste: sie kochen jeden Tag frisch. Außerdem haben sie Kita-Wägen, um in den Park zu gehen. Begeisterung macht sich breit und ich überlege schon, welche Farbe die neuen Vorhänge haben sollten. Erleichtert verlassen wir Kita 3.

Am Ende des Tages ist klar, dass man eine Kita finden kann, in der wir uns wohl fühlen können.Wir müssen uns nur überlegen, auf was wir wert legen und für uns dringend notwendig ist und was „nice to have“.

Vieles ist auch verständlich: die Mieten in der Stadt sind super teuer. Klar liegen die Kitas in den „günstigsten“ Etagen: im Untergeschoss. Und sie sind klein und eng. Außerdem haben viele amerikanische Kinder Nussallergie, was die Kitas als „nut free zones“ erklärt. Und die Gefahr, bei Ernährungsfehlern verklagt zu werden, ist einfach so hoch, dass lieber gar nicht erst gekocht wird. Klingt für uns verrückt, ist aber so.

Dabei wird dann deutlich: das Intercultural Training, das uns die Firma meines Mannes uns zur Verfügung stellt, sollten wir unbedingt wahrnehmen…

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