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Suburb, City, Downtown?

Philadelphia. Look & See – Tag 9. Was braucht man für ein gutes, trockenes, warmes Leben? Richtig, eine Wohnung… oder ein Haus. Und natürlich wollen wir verstehen, was wir für das vorhandene Budget in Philly so mieten können. Unsere Relocation Consultant hat uns über ihre Kontakte einige Besichtigungen von Apartments in Downtown organisiert. Außerdem ist uns eine Maklerin zur Seite gestellt, die uns derzeit freie Townhouses in der City, aber etwas außerhalb des Zentrums, zeigt. Eine zweite Relocation Consultant führt uns mit der Maklerin durch Häuser in den Vororten nahe der Hauptzugverbindung für Pendler, der Main Line. Klar, dass all diese Immobilien – sollten wir dann im nächsten Jahr kommen – nicht mehr verfügbar sein werden, aber zumindest gibt es uns einen Einblick in den Markt und eine Ahnung davon, womit wir so rechnen können.

Da der Mann arbeiten musste, besichtigten der Krümel und ich die Downtown-Apartments schon vor einigen Tagen alleine. Schnell wurde deutlich, dass es kaum eine Wohnung mit drei Schlafzimmern (3 bedrooms) gibt, und wenn, sind es nur wenige pro Gebäude und dann sind sie super teuer. Alternative wäre ein „2 bedroom with a den“, das heißt zwei Schlafzimmer und eine Art halbes Zimmer, das dann ohne Fenster und wirkliche Tür in einem hinteren Teil der Wohnung gelegen ist.


Also kam die Frage auf: Brauchen wir wirklich 3 bedrooms? Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: JA! Natürlich brauchen wir zu dritt eigentlich auch nur 2 bedrooms – unser Schlafzimmer und das Kinderzimmer – eigentlich. Es ist uns aber immens wichtig, ein Gästezimmer für alle zu haben, die uns da besuchen kommen wollen. Und das sind, so hoffe ich, nicht wenige. Neben dem Problem der Verfügbarkeit von 3 bedroom-Apartments kommt das allgemeine der frischen Luft.
Wir haben in unserer jetzigen Düsseldorfer Wohnung einen schönen, geräumigen Balkon. Dort steht wir eine Bank und viele Pflanzen. Es wachsen unter anderem unsere eigenen Tomaten, Rosmarin, Paprika, etc. Obwohl ich keinen wirklich grünen Daumen habe, habe ich mittlerweile viel Spass daran und der Krümel liebt es, die Pflanzen zu gießen und draußen zu sein. Und ich liebe es, draußen zu sitzen und zu lesen oder etwas zu trinken. Ein Balkon, Terrasse oder Garten sind also unerlässlich. und obwohl er nicht so viel draussen sitzt, sieht der Mann das zum Glück genauso. Das Thema Balkon kann man aber bei einem Großteil der Down- oder Midtown-Apartments schon mal vergessen. Da kann man froh sein, wenn man die Fenster ankippen kann, um frische Luft rein zu lassen. Häufig gibt es nur eine Klimaanlage zur Belüftung. Allein der Gedanke verursacht bei mir Sauerstoffmangel.

Die Apartment-Häuser punkten aber anders – mit ihren inkludierten “Amenities”: Fitness-Studio, Kino (das man für private Veranstaltungen mieten kann), große Gemeinschaftsküche, die auch privat für Parties gemietet werden kann, Lounge-Bereich, Meetingräume und ggf. auch Pool. Purer Luxus, ohne Frage, aber leider ersetzt es mir nicht den privaten Außenbereich.Zudem befürchte ich, dass es sich in einem solchen Apartment eher wie in einem Hotel anfühlt als nach einem Zuhause. Das Thema Apartment in Downtown wurde also meinerseits ziemlich schnell abgehakt.

Gestern dann haben wir gemeinsam – also inkl. Mann – Townhouses in der City angeschaut. Darauf war wir sehr gespannt. Immerhin hatten wir natürlich schon im Internet einiges selbst recherchiert. Das Thema Balkon oder Dachterrasse ist hier auch seltener das Problem. Das zeigten bereits die einschlägigen Immobilienseiten wie Zillow.com, Trulia.com oder Compass.com. Einziger Nachteil hier: da die Grundfläche meist nicht sehr groß ist, wird nach oben gebaut. Nicht selten hat so ein Townhouse deshalb drei oder vier Etagen… und die Dachterrasse ist dann oben drauf.
Puh. Da schwitze ich zwar schon beim Gedanken daran, andauernd mit dem Kleinkind da hoch und runter rennen zu müssen, aber immerhin spart einem das vielleicht das Fitness-Studio. Man muss es sich nur schönreden. Leider klappt das nicht bei allen Aspekten. Wir machen uns schon Sorgen, wie meine Schwiegermutter, die nicht mehr ganz so perfekt zu Fuss ist, das ggf. meistern müsste. Und da fällt uns kein gutes Argument ein. Nichtsdestotrotz wollten wir uns ja alle Möglichkeiten anschauen.

Sehr interessant aber ist auch die Art und Weise der Maklerin. So wirklich wird auf unsere Wünsche nicht eingegangen. Obwohl ich bei meiner eigenen Recherche wie gesagt Häuser mit Balkon oder Terrasse gefunden hatte, bekommen wir zu hören: „Oh, that’s hard to find in the city. You will not find it.“ Aber am besten gefiel uns dann doch das Argument: „You will not need it. Believe me! You won’t use it!“ – Da hatte ich doch mit fast 40 Lebensjahren geglaubt, ich wüsste selbst, was mir an einer Wohnung oder einem Haus wichtig ist, und was ich darin nutze und was nicht. Doch weit gefehlt. Diese Maklerin, die ich seit heute kenne, weiß das viel besser.

Außerdem weiß sie auch, dass ich nicht in einem Vorort leben will. Denn, wie sie sagt, sind sie „City-Moms“ viel besser als die „Suburb-Moms“. Aha! Dann kann ich ja für mich nur hoffen, dass ich nicht doch aus Versehen eine dieser Suburb-Moms werde. God forbid!

Doch zurück zu den Häusern an sich. Der richtige „Das wär’s“-Moment war zwar nicht dabei, aber wir haben verstanden, dass wir für das Budget etwas Schönes finden sollten. Heute nun geht es mit der anderen Relocation Consultant in die Vororte. Schon bei meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass man zwar hier für sein Geld mehr Platz und auch viel Garten bekommt, aber die Ausstattung, selbst wenn die Häuser neu oder renoviert sind, nur selten sehr modern und meist amerikanisch altbacken ist mit schön dunklen Holzküchen, dicken Vorhängen (die teilweise drin sind – aber gut, die könnte man ja zum Glück abnehmen), dicker Auslegeware und kleinen Fenstern, damit ja kein Tageslicht rein kommt. Als wir beim ersten Haus ankommen, sind wir positiv überrascht. Es ist ein Reihenhaus, schein recht neu zu sein und sieht super schön aus von außen. Und dann kommen wir rein… dunkle Zimmer… dunkle Holzküche… dicke Auslegeware… schwere Vorhänge. Ich sehr dem Mann an, was er denkt. Ich denke das Gleiche. Ach Du meine Nase! Und ist beiden sofort klar, dass das nichts ist, in dem wir uns wohl fühlen würden. Wir beiden lieben Tageslicht. Doch der Krümel geht total ab: Jede Menge Platz und ein GARTEN! Der Vorteil des Vorortes wird also direkt deutlich.

Wir sehen uns im weiteren Verlauf noch drei weitere Häuser an. Eines davon ist sehr schön geschnitten und auch hell. Man kann um die Treppe herum durch die Zimmer im Kreis laufen. Das macht dem Krümel besonders viel Spaß. Bis er dann wieder den Garten entdeckt und sofort raus will. Die Einrichtung an sich hat auf jeden Fall schon bessere Zeiten gesehen, aber ich sehe mich bereits das abgerockte Einbau-Bücherregal im Esszimmer abschleifen und neu streichen. Nur der Mann schaut noch nicht so begeistert drein. Er hat eine extreme Abneigung gegen das hiesige Küchendesign. Abgesehen von sehr modernen oder neuen Häusern, findet man in den meisten Fällen dunkle Holzküchen vor. So auch in diesem Haus. Ein Albtraum für ihn. Er hat außerdem Angst, dass wir dort „vereinsamen“. (Obwohl ich unsicher bin, ob das wirklich seine Angst ist oder ihm nur diese Küche Angst macht.)

Während für mich doch immer klarer die Vorteile des Vororts auf der Hand liegen, sieht er eher die Vorteile in der City. Das hätte ich auch nicht gedacht, wenn mir das jemand vor einem halben Jahr erzählt hätte: dass ich – die Berliner Großstadtgöre – in die Vorstadt will und der Mann – der im recht biederen Düsseldorf (im Vergleich zu Berlin natürlich) so zufrieden ist – lieber in die City will.

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