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Anders als geplant…

Philly. 16. März 2020. Vor genau zwei Wochen sind wir angekommen. Corona war schon mit ein paar Fällen in Deutschland unterwegs und meine Oma in Berlin machte sich große Sorgen, dass wir nicht mehr reisen dürften und ggf. in Düsseldorf hängen bleiben. Ohne Wohnung. Im Hotel. Wir haben sie beruhigt und ich ihr versichert, dass das ich kein Problem wäre, ein paar Tage länger im Hotel zu sein. Der Arbeitgeber des Mannes würde uns nicht auf der Straße sitzen lassen. Und zur Not hätten wir ja auch Ersparnisse, um das Hotel selbst zu bezahlen.

Anderthalb Wochen später: US-Präsident Trump verhängt einen Einreisestopp ab dem 13.3. aus der EU in die USA. Für ganze 30 Tage, bis auf Widerruf. In NRW gibt es immer mehr bestätigte Fälle und nun auch einige Tote. In ganz Deutschland derzeit 16, Tendenz schnell steigend. Krankenhäuser bereiten sich auf viele Patienten vor, die mit Lungenentzündung eingeliefert werden und beatmet werden müssen. Eine Überlastung droht, wenn die Fallzahl weiter so schnell so rapide steigt. Das ist es zumindest, was man in den allermeisten Medien liest, was man von den Politikern hört, was man aus Italien vernimmt. Dort sind ganze Regionen in Quarantäne. Die Krankenhäuser kommen nicht mehr hinterher, die Menschen stehen unter Hausarrest.

Italien ist Deutschland mit dem Ausbruch der Krankheit einige Wochen voraus. Die meisten Fälle gibt es in NRW. Auch hier sind Schulen und Kitas geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, öffentliche Einrichtungen geschlossen. Hätten wir einen Flug nur zwei Wochen später gehabt, wäre eingetreten wovor meine Oma Angst hatte. Und wir hätten mindestens einen Montag in einem Hotelzimmer leben müssen, ggf mit Ausgangsverbot.

Unter den #stayathome und #flattenthecurve wird aufgerufen, zu Hause zu bleiben und eine weitere Verbreitung damit zumindest zu verlangsamen, um die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Vor drei Wochen fühlte sich das alles noch etwas übertrieben an. Und auch jetzt frage ich mich manchmal, ob das wirklich so notwendig ist.  Aber ich bin weder Virologin noch Ärztin. Ich kann mich nur bestmöglich in unterschiedlichen Medien dazu belesen, Fach- und Expertenmeinungen einholen, mich darauf verlassen, wem ich vertraue, und was der sagt. Und nun sind wir hier. Wir haben es zumindest rechtzeitig in die USA „geschafft“. Obwohl ich in dieser sorgenvollen Zeit lieber bei unserer Familie wäre, versuche ich mir zu sagen, dass das eh keinen Unterschied machen würde. Meine Oma, meine Schwiegermutter, mein Stiefpapa, mein Vater. Alle gehören sie zur Risikogruppe und wir würden sie sowieso nicht besuchen, um sie nicht unbemerkt anzustecken. Denn wir können das Virus haben und es weitergeben, aber haben keine Symptome… oder erst in ein paar Tagen. Deshalb würden wir auch in Deutschland zu Hause sitzen und soziale Kontakte weitestgehend vermeiden. 

Und nun sitzen wir hier, in unserer Übergangswohnung. Zwar nicht ganz unser Zuhause mit unseren eigenen Möbeln, aber schon etwas heimelig geworden. Der Krümel hat eine Spielküche bekommen – die hatten wir ihm schon in Deutschland für nach dem Umzug versprochen -, aber man merkt, dass ihm nur mit uns schon ziemlich langweilig wird zwischendurch. Deshalb haben wir noch ein paar Spielsachen, Bücher und Bastelzeugs gekauft. Wir versuchen uns weiterhin einzuleben, aber doch sehr anders als wir gedacht hatten. Die geplanten Spieltreffs sind abgesagt. Die Mama-Kind-Yoga-Stunden auch. Die Besuche bei den Großeltern in New York finden zu deren Schutz nicht statt. Der Mann ist angehalten, die nächsten zwei Wochen (vorerst) aus dem Home Office zu arbeiten. Unsere Wohnung hat zwei Schlafzimmer, aber kein Büro… eigentlich. Da der Krümel ja noch kein großes Bett braucht, wurde das heute raus geräumt und dafür ein Schreibtisch und Stuhl reingestellt.

Jetzt teilen sich Mann und Sohn – wie schon bisher in Düsseldorf – ein Zimmer zum Arbeiten und Schlafen. Daher weiß ich allerdings, dass es nicht so ganz einfach ist, wenn der Mann den ganzen Tag dort in Calls sitzt, wo man das Kind eigentlich anzieht, wickelt oder zum Mittagsschlaf hinlegt. Nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar, dass das Gebäudemanagement das möglich gemacht hat und wir nun nicht alle zusammen im Wohnzimmer sitzen müssen. Dass die erste Zeit ohne all unsere Sachen (der Krümel vermisst am meisten seine Fahrzeuge, also den Roller und das Laufrad, und seinen Staubsauger) und ohne Kita, Freunde und Familie schwierig wird, war uns klar, aber durch die Corona-Krise wird es noch andere Ausmaße annehmen als bisher gedacht. Zugegeben schaue ich diesbezüglich etwas besorgt auf die nächsten Wochen.

Ich hoffe aber, dass unser Container trotz Einreiseverbots wie geplant Mitte April ankommt und wir dann in einem neuen Zuhause mit mehr Platz und all unseren Sachen – sofern dann noch notwendig – soziale Isolation betreiben können. Und selbst wenn nicht: wir werden es überstehen. Und vielleicht bringt es uns doch auch noch ein Stück näher zusammen. 

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