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Hallo? Einer zu Hause?

Devon. Oktober 2020. Der Sommer ist vorbei. Es ist immer noch Pandemie. Die US-Grenzen sind immer noch zu, zumindest für Nicht-Staatsbürger. Also wir könnten zwar raus, aber dürften nicht wieder zurück in unser derzeitiges Zuhause. Ich habe ewig nicht mehr für den Blog geschrieben. Also zumindest so lange, dass ich gerade meinen eigenen Blog lesen musste, um zu wissen, was der „letzte Stand“ ist. Seither ist natürlich einiges passiert, auch wenn man Dank der Pandemie immer das Gefühl hat, jeder Tag sei gleich… und viele davon ziehen sich wie Kaugummi. Dann wiederum fliegt die Zeit jedoch super schnell vorbei. Einiges werde ich in gesonderten Posts „abfeiern“. Jetzt will ich aber erstmal ein grobes Update geben, was bei uns so los ist und warum ich so lange nicht dazu gekommen bin, etwas zu schreiben: Der Krümel geht in die Kita!

Ja, jetzt denkt Ihr so: „Äh? Der geht in die Kita und sie hat keine Zeit?“ Genau so ist es. Aber eines nach dem anderen…

Anfang September kam Vieles zusammen. Der Krümel wurde drei Jahre alt. Nach jüdischer Tradition der Tag, an dem das erste Mal die Haare geschnitten werden. Endlich kam die eine lange Strähne ab, die ihm andauernd ins Gesicht hing. Ich war zwar besorgt, dass seine Löckchen dann verschwinden würde… ich liebe sie doch so, aber meine Befürchtungen bewahrheiteten sich auch nicht. Wir haben zurückhaltend geschnitten und er sieht immer noch aus wie ein Engelchen. 😍 Er hatte aber auch – wie im Bilderbuch – pünktlich ab dem Tag nach seinem Geburtstag einen ordentlichen Entwicklungsschub. Viel weinen, Jammern, anhänglich sein, schlechter schlafen als eh schon… hallelujah. Und obendrein ging die Kita los. All das war ganz schön viel.



Nachdem wir Ende August noch eine Woche am Strand in Maryland Urlaub gemacht hatten, sollte er nun einfach woanders hin. Von jetzt auf gleich. Er war also seit sieben Monaten nicht mehr in der Kita oder mit anderen zusammen, war nur bei mir und meinem Gatten. Und nun Kita – mit neuen Menschen, einer anderen Sprache, an einem neuen Ort. Na super. Ich freute mich ja eigentlich drauf, aber… Sowas wie Eingewöhnung kennt man hier nicht (zumindest meistens), und mit Covid-19 sowieso nicht. Jeder Zutritt zur Kita untersagt. Man geht also morgens hin, sagt „bye“ und gibt das Kind an der Tür ab. Aufgrund der besonderen Situation für uns hat unserer Erzieherin zwar eine Ausnahme gemacht und uns einen Tag zuvor schon mal für eine Stunde kommen lassen, aber mit Eingewöhnung im deutschen Sinne hatte das nichts zu tun. Ich finde zwar den deutschen Ansatz auch oft viel zu übertrieben… manchmal ist ein Ende mit Schrecken eben besser als ein Schrecken ohne Ende, aber ein Mittelweg – oder zumindest eine Wahl für die Eltern, wie sie es handhaben möchten – wäre schon wünschenswert. Nun ja… wir mussten es nehmen wie es ist. Und letztendlich haben wir es super gemeistert. Nur der Weg dahin war… naja.. etwas steinig. Aber darüber schreibe ich lieber separat.



Einen anderen Ausweg als meistern hätte es auch nicht wirklich gegeben. Zumindest nicht für die ersten vier Wochen, denn ich musste – und jetzt wird klar, warum ich keine Zeit hatte – dringend arbeiten. Das Magazin, für das ich als Redakteurin arbeite und welches zwei Mal jährlich erscheint, musste Ende September digital final an die Druckerei gesendet werden. Redaktionsschluss war Mitte September. Und mit dem Krümel zu Hause war ich nur sehr schleppend voran gekommen. Insbesondere mit den Beiträgen, die ich selbst verfassen sollte, hing ich ganz schön hinterher. Das hiess also für mich: 8.30 Uhr Krümel abgeben. Zurück nach Hause vor den Rechner. Hoffen, dass in der Kita alles gut geht. Recherchieren. Schreiben. Redigieren. Telefonieren. E-Mailen. Video-Konferieren. 15.30 Uhr aufhören. Losfahren. Krümel abholen. An den Tagen, an denen er nicht in die Kita geht, musste ich mir andere Dinge einfallen lassen. So wie auch schon die Wochen und Monate zuvor ohne Kita. Aber aufgrund der herausfordernden, neuen Kita-Situation und seinem Entwicklungsschub war das vergleichsweise schrecklich schwierig. Er jammerte viel, wollte nur getragen werden, weinte und schrie beim kleinsten Bisschen. Öfter als normal war dann eine Lösung die meine, für welche von meinem Gatten einiges an Gegenwind bekam: Feuerwehrmann Sam! Oder Checker Tobi. Oder Anna und die Haustiere. Oder Paula mit ihren Wildtieren. TV halt.
Wenn es gar nicht mehr ging und ich einfach mal eine halbe Stunde Zeit brauchte, um konzentriert zu arbeiten, machte ich dem Krümel eine seiner Lieblingssendungen an. Immerhin lernt er bei Feuerwehrmann Sam, Checker Tobi und von Anna oder Paula auch etwas. Bildungs-TV sozusagen.Das zumindest sagte ich mir, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, denn, ja, wir hatten ursprünglich vereinbart, dass er nicht so häufig und nur sehr kurz Fernehen schauen sollte. Aber ich konnte einfach nicht mehr anders. Und ich glaube, wir waren und sind nicht die einzigen, denen das so geht. Und außergewöhnliche Situationen bedürfen nunmal auch mal außergewöhnlicher Lösungen. Sicherlich ist Fernsehen nicht die beste, aber meine Auswahl ist derzeit nicht so reichhaltig. Der Gatte hat mir – bisher zumindest – jedenfalls immer wieder verziehen. Und die schlimme Phase des Schubs war glücklicherweise auch nach recht kurzer Zeit vorüber. Puuhhhh. (Aber die nächste kommt mit Sicherheit… Aijaijaijaijjjj ;))


So ist nun das Magazin erfolgreich in den Druck gegangen, der Krümel liebt die Kita und ich habe wieder Zeit und Muße zum Schreiben. Wir versuchen, die letzten warmen Tage gut zu nutzen und diese wundervolle Herbstlandschaft und Blattfärbung zu genießen. Auch wenn wir unsere Freunde und Familie schrecklich vermissen. Und je mehr wir uns hier einleben, auch gegen alle Corona-Widrigkeiten erhaben, und je mehr wir uns zu Hause fühlen in dieser wundervollen Gegend, desto schwerer wiegt es, dass wir das nicht mit Euch, unseren Freunden und Familie, teilen können. So gern würden wir die kleinen, wunderschönen amerikanischen Ortschaften mit Ihnen erkunden, den Strand unsicher machen, in den State Parks grillen gehen. Aber wir geben weiterhin die Hoffnung nicht auf, dass wir das alles im nächsten Jahr nachholen werden.


4 Kommentare

  • Julika

    So schön wieder von dir bzw. euch zu lesen:) ich hatte auch gar nicht auf dem Schirm, dass du inzwischen arbeitest. Und auch wenn der Start für euren Krümel und euch etwas schwierig war, ist es doch schön, dass er auch wieder Kontakt zu anderen Kindern hat.
    Ich hoffe sehr, dass wir euch nächstes Jahr besuchen können. Vermutlich wollen dann so viele kommen, dass das in einem Jahr gar nicht zu schaffen ist 😀 fühlt euch gedrückt :-*

    • dorfmama

      Hallo liebe Julika, ja es ist wunderbar, dass der Krümel Kontakte knüpft und Freundschaften schließt. Und er geht mittlerweile soooo gern in die Kita. <3 Und wenn der Travel Ban aufgehoben wurde, werden wir wohl einen Buchungs-Kalender einstellen müssen, in dem man sich eintragen kann, um Doppelbuchungen zu verhindern. ;D Wir freuen und auf jeden Fall sehr auf Euch alle. Dicke Umarmung auch an Euch :*

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