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Auf der Suche nach Carrie Bradshaw

Gestern war ich in meinem Lieblingsgeschäft: Target. Dieser Laden ist die Hölle. Schlimmer als dm. Da konnte ich ja schon immer Stunden zubringen und Hunderte von Euros ausgeben… aber Target. Da hab ich wirklich ein Problem, denn hier gibt es nicht nur Kosmetik und Drogerieartikel, ein paar Lebenmittelreihen und ein wenig Babyausstattung, sondern ewig lange Regale mit eben diesem und noch viel mehr: Möbel und Dekoartikel, Spielzeug, Bücher, Elektrogeräte, Bastel- und Büroartikel, Saisonware, Klamotten für Sie und Ihn… und alles ist schön aufbereitet.  Die Qualität ist von gut bis sehr gut, es gibt verschiedene Preislagen, zumindest von sehr günstig über okay bis hin zu „nicht mehr ganz so günstig“. Egal, was du suchst, Target hat es bestimmt. Und wird damit kriegen…

Aber upps, eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, was mir nur bei Target mal wieder aufgefallen war: der Kleidungsstil der „gemeinen“ US-Amerikanerin. Da denkt man doch eigentlich an New York. An „Sex and the City“. An ausgefallene Klamotten, hohe Schuhe, teure Handtaschen. An Supermodels und Designer. An preisgünstige Markenklamotten und neueste Trends. Natürlich ist mir klar, dass nicht jede Frau wie Carrie Bradshaw aussehen möchte, aber man erwartet im Großen und Ganzen viele verschiedene Styles.

Und dann zieht man hier her… und sieht fast nur was? Frauen in Sportklamotten. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man mitten in die Stadt oder in den Vorort zieht. Okay, in der Stadt sieht man noch ein wenig öfter Frauen im „normalen Büro-Outfit“ mit Bluse und Stoffhose, aber Dank Corona auch nicht wirklich oft. Ich dachte ja immer, insbesondere wir deutschen Frauen haben kleidungstechnisch nicht unbedingt viel zu bieten, sind eher zurückhaltend und „langweilig“ gekleidet. Bodenständig eben. Aber hier sieht’s nicht viel besser aus. Zumindest hier in der Umgebung. Das spricht sicher nicht für die ganze USA, so wie kaum etwas, denn die Bundesstaaten könnten oft nicht unterschiedlicher sein. Und ich gebe zu, dass mir weder auf meinen bisherigen Besuchen und Reisen in die USA noch bei meinen amerikanischen* Freundinnen in Deutschland kaum aufgefallen war. Also liegt es womöglich an Corona, den Lockdowns und dem Home-Office? Vielleicht ein bisschen. Gänzlich aber eher nicht, denn so richtig aufmerksam bin ich darauf geworden als ich mich im Zuge unseres Umzugs hierher mit dem Buch „Im Schlepptau nach Amerika“ vorbereitet hatte. Ein wunderbar humorvolles und umfassendes, aber nicht zu dickes Buch einer Expat-Mama, mit vielen Tipps und Ratschlägen rund ums Expat-Leben in den USA. Und sie erwähnt, dass man denken könnte, dass jede Amerikanerin schrecklich viel Sport mache, da sie immer Sport-Klamotten tragen würde. Immerhin sieht man in Deutschland Frauen in Sportklamotten meist nur, wenn sie grad auf dem Weg zum oder vom Sportstudio sind. Fakt hier ist aber, sie machen meist überhaupt keinen Sport, sondern tragen es, weil es bequem ist. Und wie das so ist, wenn man an etwas denkt oder von etwas betroffen ist, es begegnet einem dann ständig. Weil es auf einmal in der Wahrnehmung für wichtig erachtet wird und nicht mehr einfach „drüber hinweg geschaut“ wird. Also wenn man schwanger ist, sieht man nur noch Schwangere. Hat man sich ein grünes Auto zugelegt, sieht man nur noch grüne Autos auf der Straße. Liest man über Frauen in Sport-Leggings, tragen auf einmal alle Sport-Leggings. Wahlweise mit FlipFlops im Sommer, meist aber mit Sneakers. Beim Einkaufen im Supermarkt, beim Arzt, in der Kita, beim Ausflug, beim Essen holen, beim Tanken, zu Hause, einfach immer. Ich muss zugeben, dass mir das manchmal gefällt. Es ist bequem und man fühlt sich gleich auch viel sportlicher, wenn man Sportklamotten trägt, also mache ich ab und an mit. Aber meist ertappe ich mich dann doch dabei, wie ich mir – auch wenn wir nur in die Natur fahren – was „Normales“ anziehe. Denn Ladies, insbesondere in Corona-Zeiten kommt man eh schon viel seltener dazu, sich mal von der Jogginghose zu befreien und mal ansatzweise schick zu machen, also wann, wenn nicht beim einem Ausflug? Dafür wurde ich schon des Öfteren schräg angeschaut, in meinem grün geblümten Sommerkleid, im knallroten Mantel oder bunter Blusen-Rock-Kombo. Und ich bin mir sicher, dass sie sofort gesehen haben, dass ich keine Amerikanerin bin. Zumindest wurde ich – wiederum ganz typisch amerikanisch – auch schon diverse Male darauf angesprochen. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht genießen würde, deshalb aufzufallen…

Mode-Metropole New York City


Meinetwegen kann ja jeder tragen, was er will, und in Teilen stelle ich das Ganze vielleicht grad etwas überspitzt dar. Okay… und wer mich kennt weiss, dass ich selbst keinen festen Stil habe. Ich kann Bleistiftrock und Bluse ebenso wie Cowboyhut, Boots und Jeans oder Blümchenkleid. Vielleicht vermisse ich gerade deshalb hier die Abwechslung. Aber was ich gestern gesehen habe, geht meines Erachtens gegen jegliches modisches Verständnis: Puschel-Hausschuhe zu Shorts und Oversized-Hoodie. Ernsthaft! Kein Witz! Die Jugend treibt es auf die Spitze. Und geht so einkaufen. Und ja, ich bin damals in Düsseldorf auch schon des Öfteren „unschön“ in Joggers und Uggs zum Edeka Paschmann um die Ecke getigert… darum geht es mir nicht. Man muss sich nicht schminken und aufhübschen zum Einkaufen, aber Hausschuhe… really?! Und die Shorts dazu so kurz, dass man sie unter dem Hoodie überhaupt gar nicht sieht und meinen könnte, die jungen Damen hätten nach dem Aufstehen (um 16 Uhr) ihre Hose vergessen. Und dann diese Puschel-Hausschuhe. Außerhalb des Hauses! Das liegt wahrscheinlich daran, dass die meisten US-Amerikaner sowieso keine Hausschuhe kennen und ihre Straßenschuhe im Haus tragen, also dann auch die Hausschuhe draußen. Und diese Kombi sieht man sowohl bei 30 grad – nur dann ohne Hoodie und mit Oversized-T-Shirt – als auch – wie heute – bei 10 Grad. Und daneben stehe ich: sehr „casual“, wie ich finde, in grün-schwarz karierter Stoffhose, Boots, schwarzem Pulli, einem leichten, schwarzen Daunenmantel und mit grünem Beanie auf dem Kopf. Trotze der trostlosen modischen Zukunft neben mir und fühle mich ein bisschen wie… Carrie Bradshaw. 

*Mir ist bewusst, dass „amerikanisch“ und „Amerikaner/in“ nicht die richtigen (oder nur teils richtigen) Begriffe für Bürger oder andere Dinge der USA sind und es richtigerweise „US-amerikanisch“ heißen müsste. Für die Lesbarkeit und den besseren Fluss allerdings nutze ich meist lieber diese beiden Begriffe und beziehe mich hierbei auf US-Bürger.

2 Kommentare

  • Jonna

    Fahr mal nach Atlanta – dort laufen die Damen rum als ginge es zum Vogue-Shooting (sehr extravagant) oder mindestens in die Abendvorstellung des Theaters (wenn nicht Corona wäre). Aber natürlich auch viel Sportklamotten. Das fiel mir auch auf.
    Und an der Schule galt eine Jeans schon als overdressed bzw. completley out of fashion (Does your mum make you wear jeans?) Jungs nur in Jogginghosen und Hoodie, Mädchen in besagten Shorts und oversize shirt. (Wir reden von einer Privatschule. Augenroll)

    • dorfmama

      Oh dann bin ich auf Atlanta gespannt. ich weiß gar nicht, wo wir zuerst hinreisen sollen, wenn es erstmal wieder möglich ist… hoffentlich noch während unserer Expat-Zeit. *argh*
      Und ich dachte, an einer Privatschule würden alle so schick in Uniformen zur Schule gehen. Tse! 🙂

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